Mit dem Rad an´s Meer; Castrop-Rauxel – Scheveningen

Sommer 2019: Endlich ist es so weit. Die Vorbereitungen für meine erste, große Fahrradtour sind in den letzten Zügen und ich kann es kaum erwarten, endlich aufzubrechen.

Vorher…
Nachher.

Bevor ich mein Equipment zusammengestellt habe, hab ich mir natürlich Ratschläge von erfahrenen „Bikern“ geholt und viel gelesen. Unter anderem waren die Blogs von biketourglobal und Radelmädchen dabei sehr hilfreich. Was ist wichtig, was braucht man absolut nicht…ich habe mich dazu entschieden, ohne Kochequipment aufzubrechen. Aufgrund meiner Routenplanung (alles mit der Komoot Navi App) konnte ich mir ja sicher sein, dass ich immer wieder die Möglichkeit haben werde, mich mit Wasser und Nahrungsmitteln einzudecken. Ich bin schließlich nicht in der Wüste Gobi oder in der Mongolei unterwegs. Nachdem ich das Setup soweit zusammen hatte, habe ich alles gewogen um für mich zu wissen was auf mich zu kommt.

Nerdig!?

Tag 1

Und los geht´s; am frühen Morgen des 12. Augusts 2019 breche ich auf. Das Wetter ist perfekt. Die Sonne scheint, es ist nicht zu warm. Zwischendurch verdunkeln ein paar Wolken die Sonne. Ich starte auf mir bekannten Wegen in Richtung Meer. Erstmal gehts Richtung Recklinghausen am Kanal entlang und auf die schöne König-Ludwig-Trasse. Ein absolutes Fahrrad-Highlight der Region.

Über Recklinghausen gehts direkt über Dorsten nach Marl und immer weiter Richtung Holländische Grenze. Der Weg hinter Marl und Dorsten führt hauptsächlich über die Bundesstraße. Schön ist es nicht aber ich habe auch nichts an der schnellsten, vorgeschlagenen Route geändert. Schnell gelange ich über Feldwege und Radwege an Bundesstraßen nach Hünxe und Emmerich am Rhein, wo ich auch meine erste, größere Pause einlege.

Emmerich am Rhein

Das Wetter spielt mit und nun ist es auch nicht mehr weit bis zur „Grenze“. Ich kann es kaum erwarten und fahre weiter Richtung Meer. Mein Plan ist es, die erste Nacht kurz hinter der Grenze zu verbringen, und zwar bei Arnhem. Mein Plan geht auf und ich komme am späten Nachmittag in Arnhem an. Leider ist es hier nicht mehr so sonnig wie in meiner Heimatstadt und ich bekomme einen heftigen Schauer mit, dessen Peak ich an einer Bushaltestelle im trockenen abzumildern versuche. Es sieht so aus als hätte es sich eingeregnet. Dicke Wolken hängen über der Stadt. Google Maps frage ich nun nach einem Campingplatz in der Nähe. Mein Pech ist, dass mich der Regen in der Stadt erwischt hat. Da gibt es ja nicht so viele Campingplätze. Maps schlägt mir den nächsten Campingplatz etwas außerhalb der Stadt vor und ich mache mich auf den Weg zu Minicamping Smids in Arnhem. Was für ein Glückstreffer. Ein kleiner Bauernhof stellt eine Wiese bereit auf dem ein paar Dauercamper wohnen, ein gepflegtes Dusch- und Toilettenhaus steht und ein kleiner Pavillon mit Tischen und Stühlen um dort, bei gutem Wetter, zu verweilen. Leider hatte ich keine Lust, noch irgendwo anzuhalten um mir ein anständiges Abendessen zu besorgen. Ich hatte aber noch genug Erdnüsse und Riegel um nicht direkt zu verhungern. Nachdem ich mich angemeldet habe und einen Platz für mein Zelt, zusammen mit dem Bauern auserkoren habe, reißt der Himmel wieder auf und die Sonne scheint. Was für ein Tag. 130km sind auf dem Tacho und ich bin einfach nur Glücklich. Eine Dusche wäre jetzt genau das richtige!

Tag 2

Am nächsten Morgen breche ich früh auf. Der Regen hat aufgehört und ich will die Zeit nutzen. So richtig sonnig wirds nicht. Bereits gestern ist mir der eklatante Unterschied zu deutschen Radwegen aufgefallen. Wie luxuriös in den Niederlanden die Radwege ausgebaut sind ist einfach ein Traum. Zu deutschland einfach kein Vergleich und sehr angenehm, sicher und super ausgeschildert. Mich begleiten am zweiten Tag der Tour leider immer wieder Regenschauer. Deswegen komme ich nicht allzu gut voran. Allerdings bin ich auch nicht auf der Flucht und irgendwann fange ich an, die „Zwangspausen“ zu genießen. Ich komme „in den Flow“. Mein Weg führt mich durch wunderschöne, holländische Städtchen. Windmühlen und traumhafte Radwege liegen auf meinem Weg. Zwischendurch fülle ich meine Wasserreserven im Supermarkt auf und lege eine Pause in einem Café ein. Es ist einfach nur schön. Am Mittag kommt auch die Sonne zurück und es zieht mich förmlich an´s Ziel.

Richtung Utrecht geht es auf Traumhaften wegen weiter. Wenn man denkt, es kann ja nich mehr schöner werden, wird man doch noch eines besseren belehrt. Der Weg nach Utrecht und hinter Utrecht ist einfach Traumhaft. Die Leusder Heide durchfahre ich und mein Weg führt entlang des „Oude Rijn“ durch Dörfer und Felder. Der Radweg am „Oude Rijn“ führt direkt an diesem entlang und die Häuschen und Villen sind hübsch anzusehen. Ein absolutes Highlight der Tour ist definitiv der Weg in und um Utrecht und insbesondere der „Oude Rijn“. Meine Nacht verbringe ich heute in Woerden auf einem weiteren, kleinen Campingplatz. (Camping Batenstein) Er ist absolut Fahrradfreundlich, (wie alle Campingplätze in den Niederlanden) sehr gepflegt und günstig. Die Sonne scheint. Ich freue mich auf eine Dusche und mein Zelt, und darauf, am nächsten Tag endlich das Meer in Scheveningen zu erreichen. Tag 2 meiner Tour brachte mich auf etwa 80km und war voll mit Sehenswürdigkeiten.

Tag 3

Tag 3 der Tour bringt mich an´s Meer. Ich habe nur noch etwa 40km bis Den Haag bzw. Scheveningen und ich genieße jeden Meter. Das Wetter ist toll und ich radle auf traumhaften Wegen dahin. Zwischendurch gibts natürlich gutes Essen zum Frühstück oder Mittag. Eine lange Pause einzulegen bekomme ich allerdings nicht hin. Zu sehr freue ich mich, endlich anzukommen. Am frühen Nachmittag ist es auch endlich so weit. Etwa 10 bis 15km vor dem Ziel konnte ich bereits das Meer riechen. Oder ich hab´s mir eingebildet. Jedenfalls wurde die Landschaft etwas Maritimer und ich näherte mich Den Haag. Auch hier wieder sensationell gute Radwege und Radschnellwege. Durch die Innenstadt führte mich mein Navi zum Glück nicht. Ich fuhr direkt nach Scheveningen und freute mich auf ein Bier und Fisch&Chips an der Strandpromenade. Die Nordsee empfing mich mit bestem Wetter und ich war glücklich, aus eigener Kraft zum Meer gekommen zu sein. Was für ein Gefühl!

Den Abend verbrachte ich beim Bier am Strand und begab mich dann zum Camping Duinhorst. Ein vergleichsweise riesiger Campingplatz in der Nähe des Stadtzentrums. Preisgünstig und gepflegt. Ich besorgte noch ein paar Dosen Bier und freute mich, dass ich nun dort bin und konnte kaum erwarten, am nächsten Tag endlich meine frisch geborene Tochter und Freundin wieder zu sehen die mit dem Auto zum Hotel kommen würden.

Der Weg von Scheveningen zum Hotel waren knappe 30km, die ich aufgrund des trockenen Wetters und Rückenwind genießen konnte. Ab jetzt hieß es Urlaub mit der kleinen Familie! Die nächste Reise ist bereits in der Planung…

Den Rückweg legte ich übrigens nicht mit dem Rad zurück, was ich im Nachhinein sehr bereue. Aufgrund schlechter Wetterprognosen und einem schmerzenden Fuß (ich habe mit eingeschlafenen Zehen während der Tour zu kämpfen gehabt. Vielleicht liegt es am Rad, welches nicht genau meine Größe ist oder an meinen Sandalen…) entschied ich mich, noch einen Ausflug nach Amsterdam zu machen um dort mit dem Flixbus zurück nach Dortmund zu fahren. Auch die Tour nach Amsterdam, von Hillegom aus, ist sehr zu empfehlen und mit etwa 30km auch sehr entspannt. Das Radeln in Amsterdam habe ich mir allerdings deutlich schöner vorgestellt. Wie das Schicksal es so will ist mir auch ausgerechnet in Amsterdam mein Schloss kaputt gegangen und hat nicht mehr verriegelt. Das hieß, dass ich auch nicht wirklich Sightseeing machen konnte weil ich immer Angst um mein Rad und meine Klamotten hatte. Die Fahrt mit dem Flixbus war dafür aber Preiswert und entspannt. Ich habe recht früh gebucht und das Fahrrad bei der Buchung angegeben. Als der Bus dann angefahren kam rutschte mein Herz in die Hose als ich gesehen habe, dass der Bus keinen Fahrradanhänger hatte. Zum Glück war ich der einzige Radreisende an dem Abend und mein Rad fuhr im Gepäck-Abteil mit. Nochmal gut gegangen.

Falls du dich für die Tour interessierst und die Komoot App nutzt, habe ich HIER den Link zur Tour.

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